
Der Friedhof, wie ihn die meisten von uns kennen, verliert seine Selbstverständlichkeit. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Aeternitas, bei der gut tausend Menschen ab 18 Jahren befragt wurden, zeigt das in deutlichen Zahlen. Nur noch ein Viertel der Befragten wünscht sich für sich selbst ein klassisches Grab, also ein Sarg- oder Urnengrab auf dem Friedhof. 2013 waren es noch fast die Hälfte. In gut einem Jahrzehnt hat sich die Vorstellung davon, was ein guter letzter Ort ist, also halbiert.
Was an die Stelle tritt? Die meistgenannte Wunschform ist die Beisetzung im Bestattungswald mit 24 Prozent. Pflegefreie Gräber auf dem Friedhof folgen mit 16 Prozent. Ein knappes Viertel wünscht sich Formen, die in Deutschland bislang gar nicht oder nur eingeschränkt erlaubt sind: die Asche in der freien Natur verstreuen, die Urne zu Hause aufbewahren, eine Seebestattung. Hinter den nüchternen Prozentwerten steht eine mobile Gesellschaft, in der Kinder selten am Geburtsort der Eltern leben.
Auffällig ist auch, wie selbstverständlich der Umgang mit der Asche geworden ist. 77 Prozent halten Erinnerungsschmuck oder andere Andenken aus Kremationsasche grundsätzlich für in Ordnung. 2019 lag dieser Wert noch bei 71 Prozent. Und 57 Prozent würden Flussbestattungen in ausgewählten deutschen Gewässern erlauben, ein Verfahren, das das Bestattungsrecht der meisten Bundesländer untersagt.
Die Zahlen lesen sich wie eine Aufforderung an die Gesetzgeber. Der Friedhofszwang und das deutsche Bestattungsrecht stammen aus einer Zeit, in der die Antworten der Befragten Randerscheinungen waren. Inzwischen sind sie die Mehrheit.
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