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Wann stirbt das "Digitale Ich"?

Verstirbt ein Familienmitglied oder ein anderer nahe stehender Mensch, dann stellt sich im Zeitalter des Internet eine Frage, die früher noch nicht beantwortet werden musste: Wann stirbt das “Digitale Ich”?

Aktuelle Kommunikationstechniken bieten vielfältige Wege um mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Sei es die persönliche E-Mail-Adresse, die Handy-Nummer oder der Eintrag in der Skype-Kontaktliste. Diese Einträge dienen der schnellen Kontaktaufnahme, im Falle des Todes eines Menschen werden sie – sobald der Blick über die eigene Freundesliste in der Kommunikationssoftware schweift – zum stetigen Erinnerungsanlass an die verstorbene Person.

Ist es eine Lösung, die Kontaktdaten früh nach dem Tod des betreffenden Menschen zu entfernen, um den Schmerz nicht immer wieder zurück zu holen? Oder fühlt sich das aktive Löschen einer Person aus der eigenen Freundesliste nicht an, wie ein nachträgliches Einverständnis mit dem Tod, wenn nicht sogar ein wenig wie ein digitaler Mord?

Wann ist es angebracht, den digitalen Kontakt endgültig zu löschen?

Eine Rolle spielt ganz sicher die Nähe des Menschen, den man verloren hat.
Je näher einem die Person stand, desto schwieriger wird die Frage zu beantworten sein. Früher gab es das Trauerjahr, welches gesellschaftliche Regeln und Gebräuche vorgab.
Nach einem Trauerjahr fühlt sich das Löschen der Daten ja vielleicht nicht mehr wie ein zweiter Tod an. Vielleicht ist der erste Todestag ein guter Tag, um das “Digitale Ich” los zulassen?
Ob sich ein digitales Trauerjahr als so etwas wie ein neues Trauerritual durchsetzen wird?
Was denkt ihr darüber, wie sind eure Erfahrungen? Wann habt ihr die persönlichen Kontaktdaten des Verstorbenen gelöscht?

...gerade, es ist schon ein paar Tage her, ist es schon ein Jahr ?
...da mußte “Sie” sterben – und gerade vor ein paar Tagen habe ich im Speicher des AB “Sie” gefunden
...und es wahr wohltuend “Ihre” Stimme zu hören !
WHD 12.07

Verfasst von Gast (nicht überprüft) am 14 Dezember, 2007 - 20:49

auf der Suche nach einen passendem Trauerspruch bin ich hier vorbei gekommen.
Zu den Aufgaben meiner derzeitigen Arbeit gehört auch die Abwicklung von Abläufen, wenn ein Nutzer unserer fotocommunity verstorben ist. Wir haben einen für uns, wie ich meine richtigen Weg gefunden.
Wir haben, immer in Absprache mit den Angehörigen oder Freunden, eine Trauersektion erstellt, jeder Verstorbene bekommt seine Sektion. Seine Bilder die er ins Netz gestellt hat, seine Worte die er geschrieben hat, die Unterhaltungen mit anderen Nutzern, bleiben so erhalten. Nicht alle kannten sich real, aber auch in einer virtuellen Welt entstehen intensive Kontakte. Die Verstorbenen haben im Leben dazu gehört, warum also sollten wir sie aus unserem Blickfeld entfernen. Wir sind ja einen, oft für virtuelle Verhältnisse, langen Weg gemeinsam gegangen. So haben die Angehörigen und die Freunde, die Möglichkeit, die Seite mit Fotos des Verstorbenen zu besuchen, und ihre Erinnerung zu leben.
Von sehr vielen Betroffenen, Eltern, Partnern und Freunden wird es als angemessen und gut empfunden. Ich meine, man muss es jedem selbst überlassen, doch letztlich gehört der Tod zum Leben, wir gehen alle diesen Weg, und es ist für mich tröstlich zu wissen, auch meine Internetpräsenz bleibt erhalten, wie ein reales Grab, und kann besucht werden.
Wir von der fotocommunity stellen fest, das die Trauersektionen immer wieder besucht werden, auch nach 3 oder 4 Jahren noch, werden Fotos als kleine Geste eingestellt, oder ein Wort hinterlassen.
Mit freundlichen Grüßen
Ute Allendörfer

Damit man weiss mit wem man es zu tun hat.
http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/1713/profile/1

Trauersektion:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4076

Verfasst von Ute Allendörfer (nicht überprüft) am 17 Januar, 2008 - 10:03

Hinweis

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